Arbeit
20. Jan 2026,

„Was willst du einmal werden, wenn du gross bist?“ Diese Frage gehört zum Standardrepertoire der Erwachsenen-Kind-Kommunikation. Viele Kinder sind davon überrumpelt und überfordert – besonders, wenn sie gerade im Sandkasten sitzen und Burgen bauen.
Mit sechs Jahren wusste ich nichts von Perspektiven, die in die Zukunft führen.
Das aktuelle Leben – und Überleben – im Kindergarten hatte genau nur diese eine Priorität.
Irgendwann wurde der Satz umformuliert.
Aus „Was willst du mal werden…“ wurde „Was willst du mal arbeiten…“
Arbeiten?
Ein Wort ohne tiefere Bedeutung, ausser dem Blick auf Mama und Papa, die den Grossteil ihrer Zeit mit genau diesem „Arbeiten“ verbringen.
Der Begriff Arbeit war eng verknüpft mit Schweiss, Zwang und Tristesse – also mit einem eher unerwünschten Zustand, der die schönste Zeit des Tages blockiert.
- Arbeit ist Zwang.
- Arbeit ist spassfrei.
- Arbeit ist Stress.
- Arbeit ist ein Übel.
Welch seltsame Sicht auf eine Tätigkeit, die einerseits das Leben einer Familie finanziert und andererseits einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft leistet.
Ein Blick in die Geschichte der Arbeit lässt diese negative Haltung etwas verblassen.
Schliesslich wurde aus den Mühlen der Industrialisierung eine moderne Arbeitswelt – mit 40-Stunden-Woche, Ferien, Pensionskasse und Teuerungsausgleich.
Geschäftsleute sind selbstverständlich sozial drauf und wollen, dass ihre Mitarbeitenden ein glückliches, sicheres und erfülltes Leben führen.
Während und nach der Arbeit.
Wie bitte? Stimmt nicht?
Ach ja, die Gewerkschaften waren für diese Vergünstigungen zuständig – der erklärte Feind jedes Unternehmers.
Diese nervigen Proletarier:innen mit dem grossen Maul, die einem Firmenboss ganz schön den Tag verderben können.
Wie steht es nun mit der Zukunft der Arbeit?
Oh je. Nicht gut. Oder gar verheerend.
Denn die bisher gewohnte Arbeitswelt stellt sich gerade selbst auf den Kopf – und katapultiert die Menschen in die unbezahlte Freizeit. Die Bezahlung soll nun der Staat übernehmen.
Die Digitalisierung – durch künstliche Intelligenz – macht der natürlichen Intelligenz den Garaus.
Ein Prozess, der für Kosten-Nutzen-Analysten enorm Sinn ergibt.
Na, was nun, liebe Arbeiter:innen?
Ja, wir leben in einer Zeit, die neue Modelle und Visionen braucht.
In unzähligen Schubladen schlummern bereits Ideen von Wissenschaftlern und Intellektuellen.
Zukunftsmodelle für die Arbeit reichen von mässig machbar bis radikal neu.
Sie müssen nur noch politisch in die Realität befördert werden.
„A piece of cake“, wie die Angelsachsen sagen.
Es wäre nicht das erste – und bestimmt nicht das letzte – Mal, dass Wirtschaft und Arbeitswelt kräftig durchgeschüttelt werden.
Wenn Begriffe wie Universal Basic Income, 4-Tage-Woche oder faire Besteuerung der Reichen und Unternehmen fallen, klappt bei manchen Zuhörer:innen die Kinnlade runter.
Denn diese haben andere Lieblingsbegriffe im Gepäck: Gewinnmaximierung, Offshore-Steueroasen und Shareholder Value.
Und schon ist der Konflikt in vollem Gange.
Vielleicht verlieren manche dabei den Blick auf das, worum es wirklich geht:
die positive Entwicklung der Gesellschaft, der Allgemeinhit oder schlicht der Menschheit.
Studien zeigen immer wieder, dass Menschen mit sozialer Sicherheit, sinnvoller Arbeit und respektierter Freiheit – mit oder ohne Job – vieles gewinnen:
Sie werden seltener krank.
Sie begehen weniger Verbrechen.
Sie haben mehr Zeit für Kreativität.
Und – Achtung – sie sind schlicht glücklicher.
„Alles Zukunfts-Gelaber?“
Mag sein.
Aber die Geschichte der Menschheit zeigt: Verrückte Visionen schaffen es erstaunlich oft in die Realität – für Arbeitende und Nichtarbeitende gleichermassen.
Ja, solche Bewegungen brauchen Geduld. Und Mut. Und Beharrlichkeit.
Und genau das – hört sich nach viel harter Arbeit an.
Arbeit zugunsten der künftigen Menschheitsgeschichte lohnt sich immer.
