«Make Love!» Nicht wahr?
22. Dez 2025,

War das ein Schlachtruf, damals in den Siebzigern, der blumigen Hippiezeit? „Make Love, Not War“ war im Schatten des Vietnamkriegs nicht nur eine Anleitung zu einem freiheitsliebenden Sexleben, sondern ein Ruf des Protestes.
Vietnam? Wo liegt dieses Land schon wieder? Ach ja – weit, sehr weit weg von Basel und der Schweiz.
Dennoch hat dieses Schlachten von Menschenleben die Welt der Jungen entrüstet und sie auf die Strasse zu Sitzstreiks und Protestmärschen geführt. Damals in den Siebzigern.
Und nun schaut die Welt wieder gebannt und verstört auf die Weltpolitik – eine Politik, die erneut mit dem Faschismus spielt. Nicht zum Spass, sondern im echten Leben.
Und es kommt wieder diese schleichende Angst, die sich im Nacken und dann im Herzen breitmacht.
Und Angst hat die unangenehme Eigenschaft, die Ängstlichen zu lähmen.
Ergo braucht die Welt wieder positive, hoffnungsvolle Geschichten, die uns zum Weitermachen animieren.
Das ist ein nerviges Thema – zwei Tage vor Heiligabend, ich weiss.
Gut, wenn wir uns auf die ersten beiden Wörter „Make Love“ konzentrieren, dann verfliegt die Angst für ein paar Stunden.
Als relativ frischgebackener Kanadier bin ich beim Lesen der Nachrichten fast immer empört. Und oftmals auch in meiner kanadischen Freiheit bedroht.
Dennoch finde ich in all den schlechten News immer wieder erfrischende Perspektiven – diese kleinen Ansätze, die eine positivere Zukunft ermöglichen könnten.
Ja, könnten.
Und dann war da diese Schlagzeile: „300'000 Freiwilligen-Armee zur Verteidigung Kanadas geplant.“
Wie bitte?
Schlagzeilen haben das Ziel, die Leser neugierig zu machen – und sie manchmal zu verwirren.
Was also steckt hinter, nein, unterhalb dieser Headline?
„Steigende Bedrohungen, angetrieben durch beschleunigende Technologien, stellen dringende, gleichzeitige und beispiellose Herausforderungen an Kanadas Fähigkeit, sich zu verteidigen. Die globale Sicherheit wurde durch den Aufstieg strategischer Konkurrenz zwischen Staaten, in Verbindung mit der zunehmenden Häufigkeit und Intensität von Naturkatastrophen, die mit dem Klimawandel verbunden sind, dramatisch beeinflusst.“
Aha.
Die Idee hinter einer von Zivilisten gebildeten Armeeverbund ist alles andere als neu.
Diese Idee einer zivilen Streitmacht wird in Kanada seit Jahren diskutiert.
Staaten wie Finnland und Schweden gelten dabei als Beispiel dafür, wie sich ein solches Vorhaben verwirklichen lässt.
Und wieder: Als genetisch geformter Hippie hat mir eher der Teil mit der Klimaveränderung und den Naturkatastrophen gefallen.
Freiwillige zeigen einen enormen Willen, ihren Beitrag zum Wohle aller Bürger zu leisten.
Und wie sehe ich mich bei diesem Vorhaben?
Nun, als Verfechter des möglichst freien Willens war ich der Freiwilligkeit stets zugeneigt.
Auch als Siebzigjähriger findet sich bestimmt eine Aufgabe in dieser Bürger-Einheit, in der ich mich nützlich machen kann.
Denn das reine Zusehen und Hoffen bei Bedrohungen ist ziemlich öde. Und relativ trostlos.
Natürlich staune ich selbst, wie sehr mich meine neue Heimat Kanada beschäftigt.
Doch das fühlt sich enorm gut an.
Fazit: I am a volunteer, not a voluntear.

